Cod.icon. 312 c (Tresorhandschrift) – Katalog
Scheibler'sches Wappenbuch
364 Bl – Süddeutschland (Bayern oder Schwaben?), 1450-Ende 17. Jh.
Sachgruppe: Heraldik
Sprache: Deutsch
Besonderheiten: Klebeband. Die Blätter einzeln auf Falze montiert und nach der Schrift im 16. Jh. im alten Einband neu gebunden, der inhaltliche Zusammenhang nicht gewahrt.
Einband: Pergament über Pappe mit Streicheisenlinien. Auf dem VD in schwarzer Pressung H B W und 1450 (nicht identifiziert)..
Provenienz und Geschichte: Erworben über Antiquariat Cramer 1971. Benannt nach den vorherigen Besitzern, der Familie der Freiherren von Scheibler auf Hülhoven/Rheinland (DBA : I 1093,151), Bl. Ir Wappenexlibris und S. 719 Besitzeintrag des Freiherren (Bernhard ?) Scheibler zu Hülhoven Aachen des 20. Jh.; zu Bernhard von Scheibler vgl. Hans M. Cramer, Paintings by old masters. Antiquariatskatalog 18. Den Haag 1970, S. 67.
Literatur zur Handschrift: Wappen in Bayern : Nr. 12. BSBErwerbungen : S. 39, Nr. 22, Abb. 7.
Forschungsdokumentation Handschriften
Kodikologie: Papier. 25 × 17 beschnittenS. 478, S. 590, S. 592, S. 685a-685e und ab S. 687 die Rückseiten überwiegend leer. 344 Bl, nicht gezählt 1 Vorsatzbl, 2 leere Bl und 17 Registerbl am Buchende.
Ausstattung: Sammlung von 624 ganzseitigen Familienwappen von Familien aus Süddeutschland und Österreich in zwei Teilen.
S. 1 – 476 476 großteilig angelegte Wappen mit Stechhelm, Helmdecke und Helmzier, teilweise mit Adelskrone als heraldischem Prunkstück.
Herausragend virtuos sind die Helmdecken, teils vegetabil oder und in gotisch geknitterten Drâperien. Die Helmzier teilweise mit bemerkenswerten Tierdarstellungen und menschlichen Köpfen, davon u.a. S. 96 , S. 120 , S. 124 , S. 284 , S. 367 , S. 455 in der Manier von Drôlerien grotesk überzeichnet. Von anderer jüngerer Hand fein detailliert ausgeführt u.a. S. 32 , S. 77 , S. 102 , S. 338 , S. 360 , S. 412 . Unter den weiblichen Köpfen hervorzuheben ist S. 139 und fast identisch S. 157 , S. 306 – 307 u.ö. Zum Gesichtstypus siehe auch das Selbstbildnis des Ulmer Meisters Bartholomäus Zeitblom (Thieme-Becker : XXXVI, 1947, 441 ss).
Zur Klärung der Stilvorlagen wären u.a. gedruckte Spielkarten und Hausbuch-Illustrationen zu untersuchen.
Mit Deckfarben farbstark kolorierte Federzeichnung von mehreren Händen, nach dem Stil aus der Zeit 1450-1480.
S. 477 – 629 148 Wappen mit Bügelhelm, Helmdecke und Helmzier, S. 596 das Jerusalem-Kreuz der Pilger zum Heiligen Grab als heraldisches Prunkstück, S. 630 – 685 62 leere Wappenschablonen.
Mit Deckfarben grob kolorierte Federzeichnung von verschiedenen Händen, aus der Zeit von Ende 16.-17. Jh., darunter 4 Wappen S. 477 , S. 511 , S. 608 – 609 nur in Federzeichnung, sporadisch die Farbangaben skizziert.
Beschreibung: Nach der Herkunft aus der rheinischen Adelsfamilie Scheibler benannte umfangreiche Sammlung von Familienwappen aus Süddeutschland und Österreich, auf Papier einer einzigen Marke angelegt. Obwohl durch Montierung und Neubindung im originalen, 1450 datierten Einband die ursprüngliche Ordnung erheblich gestört ist, sind zwei Hauptphasen der Anlage deutlich erkennbar: Ein Grundbestand aus der Zeit von etwa 1450-1480 ist Ende 16.-17. Jh. in nachlässigerer Ausführung erweitert und mit einem Register versehen worden, dessen datierte Papiermarke die Fertigstellung auf die Zeit um 1693 bestimmen läßt; interne Datierung S. 511 1588 .
Der Grundbestand war ursprünglich überschrieben mit den Familiennamen, ergänzt mit Angabe der Regionen der Vier Lande, der reichsübergreifenden Einteilung des deutschen Rittertums, und Turniergesellschaft (vgl. dazu Cod.icon. 310 : 83r und Cod.icon. 393(2 : 139v mit Lit.) am unteren Blattrand, die jetzigen entsprechenden Beischriften und Seitennumerierungen stammen aus dem 17.-18. Jh., im jüngeren Teil zunehmend unvollständig, 20 Namensbeischriften fehlen. Merkwürdig, daß entgegen der im 15. Jh. im allgemeinen noch strikten Wahrung der Wappenbilderordnung, im älteren Teil den Adelswappen der bürgerliche Stechhelm beigegeben ist.
Beginn des Grundbestandes S. 1 mit dem neuen Wappen von Österreich
S. 2 Grafen von Wertheim
S. 3 Herzog von Cleve
S. 4 Herzog von Savoyen
S. 5 Liechtenstein
S. 6 Herzog von Bayern .
Der Grundbestand endet mit
S. 473 Von Richenpach Österreich
S. 474 Landgrafen zu Leuchtenberg Bayern
S. 475 Grafen von Halß Bayern
S. 476 Von Niderthor Tirol.
Der jüngere Teil beginnt mit S. 479 Von Starenburg als erstem beschrifteten Wappen und endet S. 629 mit der niederbayerischen Familie Von Starzhaußen ; Jakob von Starzhausen zu Ottmaring auf Marklkofen erbt die Hofmark Reicheneibach/Lkr. Rottal-Inn, er war kurfürstl. bayerischer Kammerer, Hof- und Kriegsrat, Oberküchenmeister und Hofmeister zu München, Pfleger und Hauptmann zu Teisbach und starb 1640. Bis 1686 sind die Starzhauser in den Landtafeln eingetragen; siehe http://www.reicheneibach.de/Historie/Hofmark/hofmark.html; Erwin Riedenauer, Zur Entstehung und Ausformung des landesfürstlichen Briefadels in Bayern, in - ZBLG 47 (1984), S. 659 und Gabriele Greindl, Die landständische Steuerverwaltung im 16. Jahrhundert unter Einbeziehung der Rittersteuer von 1597, in - ZBLG 54 (1991), S. 716.
Enthaltener Text: S. 686 – 718 Alphabetisches Register.
Literatur: Auszug aus dem Wappenbuch von Otto Hupp, siehe NL Hupp : Nr. 2842. Zu Spielkarten Max Geisberg, Alte Spielkarten. Das älteste deutsche Kartenspiel vom Meister der Spielkarten ca. 1454 ... Baden-Baden 1973 und Meister E. S. Ein oberrheinischer Kupferstecher der Spätgotik. Staatliche Graphische Sammlung, München, 10. Dezember 1986 - 15. Februar 1987. Bearb. Holm Bevers. München 1987. Zum Hausbuch Hess, Hausbuch . Zu B. Zeitblom Ernst Buchner, Das deutsche Bildnis der Spätgotik und der frühen Dürerzeit. Berlin 1953, Register S. 226 und Hinrich Sieveking, Der Meister des Wolfgang-Missale von Rein. Zur österreichischen Buchmalerei zwischen Spätgotik und Renaissance. München 1986, Abb. 56 und S. 152 mit Anm. 774.
Empfohlene Zitierweise: Marianne Reuter, Beschreibung der Handschrift Cod.icon. 312 c Tresorhandschrift, in: BSB-CodIcon Online. Elektronischer Katalog der Codices iconographici monacenses der Bayerischen Staatsbibliothek München (Tue Feb 09 22:15:33 CET 2010).
Letzte Änderung der Daten: 24. November 2006.


