DFG-Projekt zur Erschließung und Digitalisierung der Codices iconographici
CodIcon online entstand als elektronischer Katalog zu einem mit Cod.icon., d.h. Codices iconographici bezeichneten Fonds von Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. Dieser Fonds birgt einen Sondertypus von repäsentativen vielfach großformatigen Handschriften, Einzelblattsammlungen und Hängetafeln, der sich mit dem klassischen Begriff der Illuminierten Handschrift nicht beschreiben läßt, wie er für die durch Bildseiten, historisierte Initalien und auch Textillustrationen gegliederten vornehmlich mittelalterlichen Text-Handschriften benutzt wird. Die „Codices iconographici“ sind Bilderhandschriften und Bildsammlungen ohne oder nur mit erklärendem Text, also Sachbilderbücher. Ihrem Charakter nach sind es Kunstkammerstücke, wie sie eher im Bestand eines Graphik-Kabinetts zu vermuten wären als in der Bibliothek, in die sie aus historischen Gründen gelangten.
Aufschluß über den Inhalt gibt bereits die fachliche Ordnung, nach dem das 1835 entstandene und bis zum Jahr 2002 ausschließlich handschriftlich vorliegende Repertorium die Handschriften, Einzelblätter und Wandtafeln des Fonds gegliedert hat, nämlich nach den folgenden Sachgruppen
- Architektur (ArchIcon: Neue Beschreibungen ab 1650)
- Astronomie
- Bildnisse
- Botanik
- Genealogie
- Geographie
- Heraldik
- Hippologie
- Kostüme
- Kriegswesen
- Siegel
- Varii
- Zoographie
Die Gegenstände sind primär zum Zweck der Information und nicht vorherrschend mit ästhetischem Anspruch wiedergegeben, vielfach aber auf sehr hohem künstlerischem Niveau. Zu nennen sind Hans Mielichs „Kleinodienbuch“, sodann die Turnierdarstellungen Hans Burgkmairs d.Ä. und seines Sohnes, Hans Burgkmair d.J., Fecht- und Zeugbücher des 16. Jahrhunderts, ferner unter den Bildniswerken die Vorzeichnungen Joachim Sandrarts zur „Teutschen Academie“. Zu nennen sind Insektenzeichnungen August Johann Rösels von Rosenhof und andere wissenschaftsgeschichtlich bedeutende taxonomische Werke. Zeichnungen zur Architekturtheorie und Bauentwürfe sind in Autographen von Sebastiano Serlio als Repräsentanten der italienischen Bautradition vertreten und in Jacques Androuet Du Cerceau als Repräsentanten der französischen Bautradition bis hin zu umfangreichem Zeichnungsmaterial zur Baugeschichte Münchens im 19. und auch 20. Jahrhundert mit Plansammlungen der bedeutendsten Architekten. Unter den Genueser, portugiesischen und englischen Karten und Atlanten ragt ein venezianischer Portulan des 15. Jahrhunderts heraus. Enthalten sind bedeutende Festungspläne des 16. Jahrhunderts und jüngere Heeresaufstellungen. Ein seltenes frühes Bruderschaftsbuch des Jülicher Hubertusorden und ein Armorial der Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies gehören zum umfangreichen Bestand im Sammlungskontext interessanter Wappen-, Stammbücher und –tafeln. Der Fonds enthält außerdem Kostümbücher mit exotischen Trachten und auch Uniformen, Künstlerskizzenbücher, Karikaturen und Kinderbuchillustrationen.
Das Repräsentative, das wissenschaftlich und technisch Fortschrittliche und das Kurios-Exotische des Bestandes erklärt sich nicht zuletzt aus der Provenienz des Grundstocks des Fonds, den fürstlichen Büchersammlungen an den Höfen in München (circa 30) und Mannheim (circa 60) mit dem Schwerpunkt der Entstehungszeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert. Zur Geschichte des Bestandes klicken Sie bitte hier .
Seit 2007 steht die digitale Publikation der „Codices iconographici“ als Fonds der Öffentlichkeit in der Form zu Verfügung, wie sie im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft bearbeitet wurde: Alle Objekte sind durch die Konversion des alten Repertoriums verzeichnet und recherchierbar, Neuerwerbungen nachgetragen (laufend fortgeführt) und die rund 130 vor 1650 entstandenen Objekte neu beschrieben und mit digitalen Bildern präsentiert. Bearbeitung Marianne Reuter unter Mitarbeit von Dorothee Brero-Schreiner und Dr. Maja Eilhammer. Digitalisierung Gundula Niemeyer.
Seit Ende 2009 ist eine Erweiterung von CodIcon online in Arbeit: Die Neubeschreibung und Digitalisierung wird über die im bisherigen Fonds - bezogenen Katalog geltende zeitliche Begrenzung auf frühneuzeitliche Objekte hinaus auf alle Codices iconographici aus dem Sachbereich Architektur ausgedehnt. Überschritten wird auch die Einschränkung auf den Fonds: Durch die Integration des Gesamtbestandes der BSB an handgezeichneten Architectonici aus allen Fonds bis hin zu Material unter den Nachlässen, die entsprechend aufgearbeitet werden, entsteht ein Bestandskatalog zur Architekturzeichnung in der BSB, die unter dem Begriff "Codices iconographici" als Typus von Bilderhandschriften treffend bezeichnet ist. Da sich die Objekte zum Teil auch nur zufällig nicht im Fonds Cod.icon. befinden, dadurch für das Publikum schwer auffindbar sind, wird dieser Bestand nun innerhalb CodIcon online zusammengeführt und mit dem Namen "ArchIcon" gekennzeichnet. Bearbeitung Birgit-Verena Karnapp und Marianne Reuter unter Mitarbeit von Dorothee Brero-Schreiner. Digitalisierung Bernd Steiner.
Zu diesem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt informieren Sie sich bitte hier .
Informationen zu Recherche und Ausgabeformen erfahren Sie hier .


